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Dienstag, 19.02.2013 17:14:00

Offener Brief an die medizinischen Fakultäten zur Mobilität im PJ


Sehr geehrte Damen und Herren,

am 01.04.2013 tritt die Änderung an §3 der Approbationsordnung in Kraft. Dabei wird Absatz 2 ersetzt und damit den Studierenden ausdrücklich die Wahl gegeben, PJ-Tertiale an Krankenhäusern der Heimatuniversität, Lehrkrankenhäusern der Heimatuniversität oder Krankenhäusern und Lehrkrankenhäuser anderer Universitäten zu absolvieren.

Dies ermöglicht erstmals einen echten Qualitätswettbewerb der Lehre. Durch eine gleichzeitige Deckelung der möglichen Vergütung im PJ wird die Qualität der Lehre und die Betreuung der Studierenden zum Wettbewerbsfaktor zwischen den medizinschen Fakultäten und Lehrkrankenhäusern in Deutschland. Dadurch können gezielt Studierende geworben und damit auch als benötigte Nachwuchskräfte gewonnen werden.

Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) sieht in der Regelung einen entscheidenden Vorteil, da sich die Qualität der Lehre und Betreuung verbessern und auf einem hohen Niveau einstellen wird. Krankenhäuser werden ihre bisherige Lehre konsequent evaluieren und gegebenenfalls verbessern müssen. Dies nützt im Endeffekt aber vor allem eben diesen Häusern, da besser ausgebildete Ärztinnen und Ärzte zu Verfügung stehen werden.

Mit großer Sorge betrachtet die bvmd daher die derzeitige Entwicklungen an einigen medizinischen Fakultäten. Dort wird eine Verpflichtung der Studierenden geplant, mindestens ein Tertial an der Heimatuniversität oder deren assoziierten Lehrkrankenhäusern zu absolvieren.

Die Studierenden haben die Wahl, die Ausbildungsabschnitte nach Absatz 1 Satz 3 entweder in den Krankenhäusern der Universität, an der sie immatrikuliert sind (Heimatuniversität), in den Lehrkrankenhäusern der Heimatuniversität oder in den Krankenhäusern oder Lehrkrankenhäusern anderer Universitäten zu absolvieren,sofern dort genügend Plätze zur Verfügung stehen.” (1)

Diese Formulierung macht eine “Pflicht-Regelung” wie oben angesprochen juristisch nicht haltbar. Auch eine etwaige Einschränkung der Lehre nach § 5(3) GG ist nach Auffassung der Bundesregierung durch “das hohe Schutzgut der Gesundheit der Bevölkerung und durch die Berufs- und Ausbildungsfreiheit der Studierenden gerechtfertigt.” (2)

Wir fordern daher alle Fakultäten auf, ihren Studierenden die freie Wahl im PJ zu lassen, so wie es von der Approbationsordnung vorgesehen ist. Das Hauptaugenmerk der medizinischen Fakultäten sollte stattdessen auf der Evaluierung und Verbesserung der Lehre und Betreuung während des PJ liegen.

Mit freundlichen Grüßen,

Martin Schmidt (Bundeskoordinator für Medizinische Ausbildung);
Pascal Nohl-Deryk (stellv. Bundeskoordinator für Gesundheitspolitik);
Michael Geßner (Pressesprecher)

für die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (bvmd)

Quellen:
(1)
Erste Verordnung zur Änderung der Approbationsordnung für Ärzte Vom 17. Juli 2012, Artikel 2 (1b) auf Seite 1540 des Bundesgesetzblatt Jahrgang 2012 Teil I Nr. 34, ausgegeben zu Bonn am 23. Juli 2012

(2)
Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Martina Bunge, Nicole Gohlke, Diana Golze, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE Drucksache 17/8303; Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode; Drucksache 17/8433; 23. 01. 2012





Von: Michael Geßner


Links:

bvmd.de/fileadmin/Presse/Pressemitteilungen/2013-2-18_Offener_Brief_PJ_Mobilita__776_t.pdf


Dateien:
2013-2-18_Offener_Brief_PJ_Mobilita__776_t.pdf