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Mittwoch, 27.10.2004 01:59:48

Hammerexamen - neuester Stand

Liebe Fachschaftsmäuse und Fachtagler,

am Montag hat das IMPP die halbe Republik in Mainz zu einem Infotag versammelt. Die Veranstaltung war zweigeteilt: Zunächst gab es eine Verkaufsveranstaltung, in der IMPP-Chef Neuser für das neue kostenpflichtige Angebot warb, Klausuren aus IMPP-Altfragen für die Fakultäten zusammenzustellen. Dabei kostet z. B. eine 50-Fragen-Klausur für 100 Prüflinge inklusive Druck und "Express-Auswertung" (max. 5 Tage) 750 Euro. Für Institute, die es nicht auf die Reihe bekommen, sich selbst Fragen auszudenken. IMPP-Altfragen für Klausuren zu benutzen, wurde bisher "geduldet" ist ab sofort eine Copyright-Verletzung.

Aber zum Wichtigen: Das IMPP hat auch über die beiden neuen Staatsexamina informiert. Dabei kam leider wenig Neues heraus, alles zum Hammerexamen steht in meinem Bericht im Anhang. Das neue Erste wird hinsichtlich Fragen-Umfang und -Gewichtung dem Physikum entsprechen.

Allerdings soll es tendenziell künftig weniger "Was-trifft-nicht-zu"-Fragen und mehr Fragen mit klinischem Bezug geben.

In meinem anhängenden Bericht habe ich mich nicht nur auf Infos aus dieser Veranstaltung bezogen (sonst wäre er sehr kurz ausgefallen...), sondern auch auf einen weiteren zwei Wochen alten Neuser-Vortrag und auf einige Kaffeepausen-Gespräche mit Neuser.

Lavi


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Bericht zum „Hammerexamen“ nach der IMPP-Infoveranstaltung in Mainz vom 25.10.04 (Lavi Ungur)



Liebe Fachschafter!

Gestern Morgen war ich mit Sonja (Fachschaft HD) und Herrn PD Duelli (Studiendekanat HD und Ex-IMPP-Mitarbeiter) in Mainz zum Infotag des IMPP. Leider gab es insgesamt kaum Neues, ich werde daher im Folgenden alle Infos zusammentragen, die mir zurzeit über das „Hammerexamen“ vorliegen. Hilfreich dazu ist auch ein Vortrag des IMPP-Chefs Neuser in der Präsidialkommission des Fakultätentages, der ich vor zwei Wochen beisitzen konnte.

Aus dem Gesetz (neue AO) geht folgendes Konkretes hervor:

-Es werden an drei aufeinander folgenden Tagen (je fünf Stunden) insgesamt 320 MC-Fragen gestellt. Der Stil der Fragen ist derselbe wie in alten Staatsexamina: Immer eine von fünf Antwortmöglichkeiten ist richtig. Man hat insgesamt 900 Minuten Zeit, das entspricht durchschnittlich knapp unter drei Minuten pro Frage. Effektiv verkürzt sich diese Zeit, da es längere Fallgeschichten zum Durchlesen geben wird, s. u.

-Der Inhalt der Fragen muss folgenden vier neuen Kriterien entsprechen: Sie sollen „berufspraktische Anforderungen an den Arzt“, „die wichtigsten Krankheitsbilder“ abfragen, sie sollen „fächerübergreifend“ und „problemorientiert“ sein.

Folgende Informationen hat das IMPP bisher tröpfchenweise herausgegeben:

-Es wird bald einen neuen GK zum „Hammerexamen“ geben. Dabei hat man in einem aufwändigen Verfahren erhoben, was die „häufigsten Krankheiten und Krankheitsbilder“ sind, die einem Arzt in Deutschland begegnen. Dazu hat das IMPP rund hundert Allgemeinärzte befragt, außerdem Krankenkassen-Statistiken, Daten des Statistischen Bundesamtes, den alten GK und den Schweizer Lernzielekatalog durchforstet. Das Ergebnis: Rund die Hälfte der 650 „Krankheiten und Krankheitsbilder“ des alten GK3 konnte herausgeschmissen werden. Übrig bleibt nur, was „einem durchschnittlichen Allgemeinarzt mindestens einmal im Laufe seiner Karriere begegnet“.
Der neue GK wird in den nächsten Wochen an Studiendekanate und Sachverständige verschickt, um überall nach möglichen Ergänzungen, Fehlern usw. durchgesehen zu werden. Mit einem guten Draht zu Eurem Studiendekanat werdet Ihr sicherlich schnell an die Vorabversion kommen, sobald sie im Umlauf ist. Sonst geht sie bestimmt auch mal über den FTM-Verteiler ;-)
Sobald alle Rückmeldungen eingegangen sind, wird der offizielle GK veröffentlicht. Der Termin hierfür ist nicht absehbar, da widersprechen sich Aussagen des IMPP zum Teil und reichen von Frühjahr 05 bis Frühjahr 06. Wohlgemerkt, das „Hammerexamen“ findet im August 06 erstmals statt!!

Das Neue an dem GK ist, dass er nicht eine Auflistung von Fächern (wie bisher) enthalten wird, sondern Krankheiten. Dies wird das „Kreuzen“ als Examensvorbereitung für die ersten Kohorten etwas erschweren, da sie nicht einfach einige Kapitel der alten Schwarzen Reihe ausschneiden können. Allerdings wird es mindestens ein „Altexamen“ schon für die erste Kohorte geben, da es im Frühjahr 05 eine „Generalprobe“ mit Studenten geben wird, die das alte Zweite dann schreiben werden oder gerade geschrieben haben. Dazu wird das IMPP Freiwillige suchen und wohl auch als Hiwis bezahlen.

Meiner Einschätzung nach werden die Fragen sich nicht sehr von den jetzigen GK3-Fragen unterscheiden. Es wird allerdings offenbar nicht mehr nach dem Morbus Bourneville-Pringle und der von-Wegener-Granulomatose gefragt werden ;-)

Stattdessen sollen „mehr als 50 Prozent der Fragen“, so Neuser, in „Dossiers“, d. h. „Fallstudien“ zusammengefasst werden. Dabei wird es je Dossier einen Einführungstext (CA. 15-30 Sätze) geben, der Symptome, Befunde usw. eines fiktiven Patienten darstellt. Die dann folgenden Fragen drehen sich dann „sternförmig“ um diesen Fall. Ein Beispiel: Im Einführungstext wird ein Tuberkulose-Patient vorgestellt, der akut schmerzhaft und stark geschwollene Lymphknoten hat. Gefragt wird daraufhin nach Diagnoseschritten, Therapieprinzipien, Prognosen, Komplikationen usw. der Tuberkulose. Eben „interdisziplinär“ und „praxisnah“. Das heißt aber nicht, dass das Examen einfach wird: Spätestens, wenn nach genauen Medikamenten-Dosierungen oder Färbemethoden für TB-Erreger gefragt wird, kommt auch der gute Prüfling wohl an seine Grenzen…

Zu diesem „sternförmigen“ Fallstudien-Modell gibt es noch eine Alternative, nämlich die „sequenziellen“ Fallstudien. Dabei bekommt man zwischendurch nach Beantwortung von Einzelfragen neue Ergebnisse und muss dann weiter (per MC-Antworten) diagnostizieren, therapieren usw. Der Nachteil bei dieser Form wäre, dass man zwischendurch an vielen Zeitpunkten die Aufgabenhefte einsammeln und die jeweils nächsten verteilen müsste, weil sonst der schlaue Student erst die hinteren Fragen liest und damit die vorderen beantworten könnte. Ohne Computer also schwer durchführbar, daher bleibt es höchstwahrscheinlich bei den „sternförmigen“ Dossiers. In rund 5-10 Jahren, so Neuser, sei es denkbar, dass man sich für die Examens-Termine z. B. in Call-Center einmietet und die Examina mit den schönen „sequenziellen“ Fallstudien computerbasiert durchführen könne. In der „Generalprobe“ Anfang 05 werde man aber dennoch beide Systeme gleichzeitig ausprobieren, um danach endgültig zu entscheiden.

Zusammenfassung: Der schriftliche Teil des Hammerexamens wird 320 MC-Fragen umfassen, die zum größten Teil in thematische Gruppen à 12-25 Fragen zusammengefasst sein werden. Zur Vorbereitung wird es sinnvoll sein, 2-4 Monate, also die Hälfte der „Kreuz-Zeit“ für das alte Zweite, einzuplanen. Der Thieme-Verlag wird hoffentlich den großen Altfragen-Pool (GK2 und 3 alt) rechtzeitig so neu ordnen, dass er die Altfragen, die Krankheiten des neuen GK abdecken, heraus sortiert. Dann wird man sich also auch „wie gewohnt“ vorbereiten können und alles wird gut . Neuser sagt, man strebe eine Durchfallquote an, die dem alten Zweiten entspräche, d. h. rund zwei bis fünf Prozent.

Und nochmal zur Wiederholung: Wer muss das Hammerexamen mitschreiben? – Alle, die Ende letzten Jahres noch kein „altes Erstes“ hatten. Außerdem: Alle, die den letzten Termin für das alte Zweite (Herbst 06) verbummeln. All diese Studenten brauchen neue Scheine (oder den neuen äquivalente, variiert je nach Bundesland) und dürfen dann frühestens im Herbst 05 ins PJ – und frühestens im Herbst 06 dann ins Hammerexamen!

In der Hoffnung, Euch etwas weiter geholfen zu haben verbleibe ich mit `nem lieben Gruß aus dem herbstlichen Heidelberg,

Euer Lavi.

Von: Admin