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Forschungsaustausch in Izmir, TürkeiBericht des Monats April 2011Motivation
VorbereitungIch habe mich bei der bvmd beworben und da der Forschungsaustausch bis jetzt noch nicht die Ausmaße und Bekanntheit des Famulantenaustauschs besitzt, hatte ich kein Problem meinen Platz für das Land, das regelmäßig auf bei Restplätzen zu finden ist, zu bekommen. Dann musste ich nur noch die Flugtickets buchen. CA eineinhalb Wochen vor meinem Abflug habe ich meine Kontaktpersonen angeschrieben, um sicher zu gehen, dass ich nicht einsam und verloren am Flughafen stehe. VisumEin Visum braucht man erst ab einem Aufenthalt der länger als 90 Tage dauert, da ich mit meinen 5 Wochen weit darunter lag, blieb mir der Antrag erspart. GesundheitVor der Abreise, habe ich noch mal meine Impfungen auffrischen lassen (Polio, Tetanus, Diphtherie, Hepatitis A und B) Letztere werden unbedingt empfohlen, besonders wenn man im Krankenhaus oder, wie in meinem Fall, auf dem Krankenhausgelände arbeitet. Mein Tipp: Rechtzeitig daran denken. Ich habe alles auf einmal innerhalb von wenigen Tagen bekommen, was mir gleich einen heftigen Ausschlag gebracht hat, der auch die ersten Tage in der Türkei noch angehalten hat und mich dort beinah zum Patienten gemacht hat. SicherheitNeben einer Auslandskrankenversicherung und der Berufshaftpflicht habe ich keine zusätzlichen Versicherungen abgeschlossen. Bedenken hatte ich keine, da mit klar war, dass ich in eine 3 mio Einwohnerstadt reisen würde und ich nicht vorhatte das Land alleine per Autostop nur mit Reizwäsche bekleidet zu besichtigen. GeldIn der Türkei wird grundsätzlich mit Türkischen Lira bezahlt. In Istanbul werden grundsätzlich auch Euro und Dollar akzeptiert, allerdings oft zu einer nachteiligen Umrechnung. Ich habe Geld immer an den Bankautomaten abgehoben und bar bezahlt. In Geschäften kann man auch problemlos mit Kreditkarte zahlen, generell war ich sehr beeindruckt von dem Technisierungsgrad im alltäglichen Leben. (Scanning beim Betreten aller größeren Gebäude z.B.: Einkaufsmall, ausschließlich elektronisches Busfahrkarten-system etc..). Wer auf Nummer sicher gehen will, kann auch vorher schon Geld tauschen, ich hatte vollstes Vertrauen in die dreifach überwachten Automaten, besonders in Einkaufszentren und davon gibt es in Izmir reichlich. In Istabul habe ich, insbesondere in kleinen Restaurants und auf dem Bazar darauf verzichtet mit Karte zu bezahlen - man hat die eine oder andere Betrugsgeschichte, die man aus Erzählungen kennt. Generell ist das Leben, sehr günstig, besonders Essen kostet im Schnitt weniger als die Hälfte und ist fast immer selbst gemacht. Die Türkei ist ein wahres Einkaufsparadies. Insbesondere Lederwaren und Schmuck sind wesentlich günstiger, aber auch das ein oder andere Kleidungsstück, hier besonders, die zahlreichen Markenimitate, für alle, die darauf scharf sind. Aber auch das Reisen (Hotels, Busse etc..) sind viel billiger als bei uns. SpracheIn der Türkei wird fast ausschließlich türkisch gesprochen, und einige der dort lebenden Kurden sprechen kurdisch. Da ich keine dieser Sprachen auch nur ansatzweise beherrsche, hat es für mich keinen Unterschied gemacht. In der Uni findet man doch einige englischsprachige Menschen (glücklicherweise besonders Medizinstudenten). Ansonsten funktioniert es mit ein paar Bruchstücken Englisch, Deutsch (sollte man unbedingt immer versuchen, mehr Leute als erwartet verstehen Deutsch) und viel Händen und Füßen. Man schafft es dann schnell, dass bis zu 15 Personen einem weiter zu helfen, meistens auch mit Erfolg! Ich habe während meines Aufenthaltes ein paar Worte aufgeschnappt, was mein gesamtes Umfeld sehr gefreut hat (dem sollte man sich auf keinen Fall verschließen, das wirkt sonst sehr arrogant). Niemand hat Sprachkenntnisse erwartet, dem Menschen ist klar, dass ihre Sprache nicht zu den führenden der Welt gehört und sie sind viel zu höflich und hilfsbereit, als dass einen mit dem Sprachproblem alleine lassen würden. VerkehrsverbindungenNach Izmir bin ich von Frankfurt geflogen, es werden aber auch fast alle andern großen deutschen Flughäfen von normalen und günstigen Airlines (sunexpress) angeflogen. Ich habe CA. 150 € für Hin- und Rückflug bezahlt, wobei letzteres allerdings von Istanbul erfolgte. Vor Ort bewegt man sich eigentlich nur mit Bussen verschiedenster Art (Normale/Reise/Minibusse, so genannte Dolmus), die den ganzen Tag sehr regelmäßig bis Mitternacht fahren und die zwischen 0,35 € (Kurzstrecke/bar), 0,80 € (normale Strecke/elektr. Karte: gilt 90 min) 5,00-7,00 € mit Essen und Getränken zu den weiteren Sehenswürdigkeiten (z.B.: Pergamon CA. 1-2h Fahrt). Die Busfahrt nach Istanbul (9h), ebenfalls mit Verpflegung, hat 20,00 € gekostet. Wenn man früh genug bucht, kann man aber für 30,00 € fliegen. Auch bei längeren Ausflügen mit dem Auto, muss man keinen Sprit bezahlen - Autofahren ist Ehrensache und das bei den weltweit höchsten Benzinpreisen von zeitweise 3,00 € pro Liter. KommunikationIch habe während meines Aufenthalts 5 große Rundmails mit ein paar eindrucksvollen und amüsanten Geschehnissen an alle, die vorher Ihr Interesse geäußert haben, verschickt. Bilder gab´s nach der Rückkehr. Im Institut musste ich viel am Computer arbeiten und hatte so ständig kostenlosen Zugang zum Internet. Der Zugang im Studentenwohnheim, hat für 12 genutzte Stunden (man musste sich immer neu einloggen) 0,90 € gekostet. Die Kommunikation fand fast ausschließlich über Mail und facebook statt. UnterkunftMeine Unterkunft war ein, von den Koordinatoren organisiertes Studentenwohnheim, was auf den ersten Blick einem Hochsicherheitstrakt ähnelte. Beim Betreten des Geländes oder eines Gebäudes wurde man per Fingerscan verifiziert. Ein wesentlicher Unterschied zu deutschen Studentenwohnheimen ist, dass man sich dort Zimmer teilt. Vier bis acht Personen pro Zimmer. Das ist schon etwas gewöhnungsbedürftig, aber in Ordnung für einen Monat, man geht ja schließlich nicht ins Ausland, um die ganze Zeit in seinem Zimmer herum zu hängen. Der Vorteil ist, dass man sehr schnell Leute kennen gelernt hat, und sich sehr leicht mit Ihnen auf dem Gelände treffen konnte. LiteraturVor meiner Reise habe ich ein wenig auf Wikipedia über Izmir und meine Uni gelesen habe. Vermisst habe ich Links zu den Forschungsthemen, aber das hat sich im Endeffekt als nichts Tragisches herausgestellt, da ich erst vor Ort ein Projekt auswählen sollte. MitzunehmenWeniger ist mehr, hat sich bei mir nicht bewahrheitet. Da mein Aufenthalt im Februar stattfand, tat ich gut daran wetterfeste Kleidung mitzunehmen. Allerdings habe ich darauf geachtet, unter dem Maximalgewicht zu bleiben, da ich wusste, dass ich viel vor Ort einkaufen würde. Außer deutschen Körnerbrot kann man alles problemlos vor Ort erwerben. Reise und AnkunftProbleme gab es nur in Deutschland, weil mein Abflug Flughafen von Frankfurt nach Düsseldorf verlegt wurde und ich deshalb eine wesentlich längere Anreise hatte. Vor Ort wurde ich von einem Empfangskomitee, bestehend aus meinem Koordinator und einigen Kommilitonen, die gleich nach dem Gepäckabladen, den ersten unvergesslichen Abend gestalteten, begrüßt. Ich hatte zwei Tage bevor meine Praktikum begann, in denen ich rund um die Uhr von meinem Kontaktpersonen betreut wurde, die mir alles erklärten (Abläufe, Erreichbarkeit) und die alles für mich organisierten. (Anmeldung im Studentenwohnheim, Kauf einer Sim-Karte, Busfahrkarte etc..). Es haben sich CA. 24 Leute um mich gekümmert. Sie zeigten mir abwechselnd die Stadt und ich konnte immer mindestens einen erreichen, falls ich mit irgendetwas Hilfe benötigte. Am Tag vor Praktikumsbeginn, besuchte ich einen Internationalen Vortrag und lerne dort meinen Institutsleiter kennen, der mich dann am nächsten Tag den Mitarbeiter vorstellte. Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke
Theoretisch begann mein Tag um 9 Uhr, wurde mittags von einer zweistündigen Mittagspause, in der ich mit meinem Freunden, essen, Tee trinken und ein wenig plaudern konnte, unterbrochen und ging dann bis 17 Uhr weiter. In meinem Projekt musste ich zunächst Probanden suchen, was bei der Menge an Bekanntschaften, nach mehreren Abenden im Nachtleben, kein Problem war. Mit diesen führte ich dann dichotische (zwei unterschiedlich Stimuli pro Ohr) Hörtests durch, wobei ein EEG geschrieben wurde. Danach analysierte ich die erhobenen Daten und stellte meine Ergebnisse graphisch dar. Am Ende des Aufenthalts musste ich eine kleine Präsentation dazu halten und wurde darum gebeten, meine Gedankenansätze schriftlich zu formulieren. Desweiteren durfte ich alle anderen Testreihen im Institut ausprobieren (Riechtests, Hörtests, sowie ein EEG an mir schreiben lassen). Während meines Aufenthalts veranstalte unser Institut einen internationalen Kongress an dem ich mitwirken konnte, außerdem hatte ich Gelegenheit an einem Seminar über Datenverarbeitung auf Englisch teilzunehmen. Mir hat sich so die Möglichkeit geboten, tiefere Einblicke zu gewinnen, als bloß einen Monat nur zu feiern (was aber auch nicht zu kurz gekommen ist). Da alles am Institut relativ locker gehalten wurde, und es von mir abhing, wie viel Zeit und Aufwand ich investieren wollte, konnte ich kommen und gehen, wie es mir lieb war. Manchmal bot es sich beispielsweise an, Freitags nicht zu kommen und dafür über ein langes Wochenende nach Ephesus, Bodrum, Pergamon oder Miletos zu fahren und sich dort die antiken Ruinen anzuschauen, oder früher zu gehen, wenn ein größeres Social Programm bevorstand. Das türkische Medizinstudium ähnelt dem deutschen in seinem Aufbau sehr, außer dass es nur ein Staatsexamen (Hammerexamen) gibt, welches sich allerdings von Uni zu Uni unterscheidet. Sehr befremdlich empfand ich, dass die erreichten Punkte in diesem Examen ausschlaggebend dafür sind, in welche Richtung man sich spezialisieren kann, indirekt also eine Wertung der verschiedenen Fachrichtungen vorgenommen wird. Eine weitere, diesmal positive, Besonderheit ist, dass viele Freizeitaktivitäten (Poetry Club, Theater, Tanzkurs) unmittelbar mit dem Stundenplan getimed sind, sodass die Studenten auch wirklich teilnehmen können. Die Verantwortlichen waren völlig unkompliziert, was mich betraf, sodass ich solche Aktivitäten problemlos besuchen durfte und keinen Cent dafür zahlen musste. Land und LeuteWie schon erwähnt, habe ich mehrere Kurztrips in der Umgebung unternommen. Besonders die antiken Städte sind wahnsinnig beeindruckend. Aber auch einfach mit den Freunden in ein Ferienhaus in die Berge fahren, war ein wunderbares Erlebnis. Die Menschen in der Türkei sind mit einer Gastfreundschaft gesegnet, von der man hier nur träumen kann. Auch Hilfsbereitschaft wird, wie schon erwähnt sehr groß geschrieben, so ist es des Öfteren passiert, dass sich gleich zwei Leute um mich gekümmert haben, wenn ich z.B.: jemand nach dem Weg gefragt habe, auch wenn vielleicht zwei der fünfzehn nur ein paar Bruchstücke Deutsch oder Englisch konnten. Sehr schnell hat man sich mit diesen bei einer Tasse Tee gefunden und sofort die besten Empfehlungen erhalten, die dann von irgendjemand Herbeigeholtem übersetzt wurden. Die Herzlichkeit findet sich in allen Schichten, der Umgang ist höflich, auch wenn es für den Außenstehenden manchmal etwas hitzig wirkt. Besonders während der Woche in Istanbul am Ende meines Aufenthaltes, hatte ich überhaupt keine Sprachprobleme mehr, da sich dort immer sofort Deutsch- oder Englischsprachige finden, die einem dann vielleicht irgendetwas verkaufen wollen, aber daran gewöhnt man sich schnell. Im Nachtleben führt das temperamentvolle Verhalten unter Alkoholeinfluss allerdings des Öfteren zu aggressiveren Auseinandersetzungen, da besonders viele männliche Herrschaften das Machodasein sehr genießen. Manche Dinge, wie z.B.: dass man nicht nachts, insbesondere als Frau, alleine durch eine 3 Mio. Einwohnerstadt spaziert, sagt einem auch ein angeschlagener Verstand, und wer nicht einmal über diesen verfügt, der sollte dann vielleicht darüber nachdenken, ob das, das richtige Reiseziel ist. FazitMeine Erwartungen an die Türkei würden bei weitem übertroffen. Besonders Istanbul steht ganz oben auf der to-GO-Liste. Ich könnte mir allerdings nicht vorstellen dort im Krankenhaus zu arbeiten, da sich mein Türkisch auf sieben oder acht Wörter beschränkt und sich das in naher Zukunft wohl eher nicht ändern wird. Jederzeit würde ich einen Aufenthalt dort empfehlen. Für eine Famulatur sind Sprachkenntnisse allerdings obligatorisch, außer man möchte sie auf Parties beschränken, die Städte wie Berlin, provinziell wirken lassen. Ich habe einen wunderbaren, auf viele Arten bereichernden Aufenthalt hinter mir, der mir viel über das Land, die Unterschiede zu Deutschland, unsere Kultur und besonders bei späterem Reflektieren über mich selbst gelehrt hat. Ich habe eine Volk kennen gelernt, das seinen eigenen, für uns anfangs undurchschaubar chaotischen Weg geht und damit trotzdem ans Ziel kommt und eine Nation, die weiß wie man das Leben genießt. Diese Erfahrung ist für mich unbezahlbar und ich ermutige alle, sich diese Möglichkeit nicht entgehen zu lassen.
Bericht und Fotos: Alina Piotrowska Zuletzt geändert am 06.05.2011 um 01:13:01
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