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Uni-Tour 2008 - Fünf Tage GandHI on TourWelche Gesundheit wollen wir – Was können wir dafür tun?
Statt Vorlesungen zu besuchen oder auf die zahlreichen Prüfungen zu büffeln, kamen 150 Studierende in 5 Städten zu Tagesseminaren zusammen, die gemeinsam von der Medizin-Studierendengruppe GandHI, medico international und dem Projektbereich Internationale Gesundheitswissenschaften des Instituts für Sozialmedizin der Charité vorbereitet und mit Hilfe lokaler Unterstützerinnen an den medizinischen Fachbereichen durchgeführt wurden.
Nicht nur diese Zahlen und die gute Organisation, sondern vor allem die lebhaften Diskussionen im Anschluss an die zwei thematischen Inputs von medico (zur Geschichte und Gegenwart der Primary Health Care) und der Charité (zur Ausbildung in Global Health) machten deutlich, dass trotz immer stärkerer Verschulung und rigiden Zeitmanagements des Studiums nicht alle den Blick über den Tellerrand der Berufsausbildung und Karriere im Medizinsystem hinaus verlieren – und das ohne die üblichen Zwangsmechanismen von Anwesenheitspflichten und Scheinvergabe.
Gerade diejenigen, die Auslandserfahrungen während des Studiums sammeln, kommen mit Eindrücken zurück, die eine weitergehende Beschäftigung mit den Themen der Globalen Gesundheit anregen, und sind offen für eine kritische Diskussion über Ursachen von Gesundheit und Krankheit, die über Tropenerreger und Epidemien hinausgehen – Ungleichheit, Ungerechtigkeit und strukturelle Ursachen des Elends. Und beachtlich war auch, wie leicht auch die Verbindungen zur Situation von illegalisierten Flüchtlingen in Europa und Deutschland gezogen wurden, und so das „Menschenrecht auf Gesundheit und Gesundheitsversorgung“ nicht nur in seiner abstrakten Form von UN-Menschenrechtserklärungen und –abkommen zum Thema wurde, sondern an konkrete Handlungsoptionen in den Städten Anschluss fand.
Zugleich wurde aber auch deutlich, dass Medizinstudierende sich immer noch weitgehend getrennt von anderen Akteuren bewegen: dass es an vielen Fachhochschulen inzwischen Ausbildungen in Gesundheitspädagogik und Gesundheitsförderung gibt, war kaum bekannt. Hier brachten die Veranstaltungen besonders in Würzburg, Marburg und Frankfurt nicht nur die Medizinstudierenden, sondern auch Studierende anderer Fachbereiche zusammen und eröffnete ein gemeinsames Gespräch, dass in den Städten weiter fortgesetzt werden soll.
Ein solches umfassenderes Verständnis von Gesundheit zu fördern, in die Ausbildung auch der Medizin zu verankern und auch ein kritisches Rollenverständnis der nächsten Generation der ÄrztInnen zu entwickeln – das stand im Mittelpunkt der Diskussionen am Ende des Tages – ein nächster Schritt hin zu konkreten Aktionen, auch über den universitären Kontext hinaus in die eigene Stadt und Gesellschaft hinein wäre dann der notwendige nächste Schritt – wir sind gespannt, wie es in den Städten weitergeht. Wir werden gemeinsam in Kontakt bleiben um mit Rat und Tat daran mitzuwirken.
Hier gehts zum Download der Vorträge und weiteren Infos:- Vortrag von Dr. Andreas Wulf (medico international): Geschichte und Gegenwart von PHC - Vortrag von Dr. Peter Tinnemann (Charité): Ausbildung in Global Health? - Quantitative und Qualitative Auswertungen - Pressespiegel vom 09.10.2008
Ankündigung Oktober 2008: Gerechtigkeit - Gesundheit - Partizipation. 30 Jahre Primary Health Care.Eine Veranstaltungsreihe der Globalisation an Health Initiative (GandHI), medico international und dem Projektbereich „Internationale Gesundheitswissenschaften“ am Institut für Sozialmedizin der Berliner Charité.
Anlässlich des 30jährigen Bestehens der Deklaration von Alma Ata finden Diskussionsveranstaltungen in fünf Universitätsstädten statt.
Die Veranstaltungen wollen die von der WHO formulierten Ideen von „Gesundheit für alle“ an deutsche Universitäten trägen. Das Bündnis möchte Werte wie Chancengleichheit, Solidarität und Bürgerbeteiligung aktualisieren. Es kritisiert die mangelnde Vermittlung eines umfassenden Gesundheitsbegriffs in der medizinischen Ausbildung. Unter dem Motto „Welche Gesundheit wollen wir?“ sollen Fundamente künftiger Projekte entwickelt werden.
Weitere Infos zum Programm und zu den Veranstaltungsorten auf dem Flyer zum downloaden, oder unter www.medico.de.
Hintergrund: „Gesundheit für Alle“ war die zentrale Forderung der Erklärung von Alma Ata 1978. Mit den Prinzipien Gerechtigkeit, Solidarität und Bürgerbeteiligung in allen Lebensbereichen formulierte die Deklaration die Voraussetzungen für ein Fundament gesunder Lebensbedingungen. Auch 30 Jahre später sind diese Forderungen noch hochaktuell. In ihrem 2008 veröffentlichten Bericht der „Commission on Social Determinants of Health” stellt die WHO fest:
“the toxic combination of bad policies, economics, and politics is, in large measure, responsible for the fact that a majority of people in the world do not enjoy the good health that is biologically possible”.
Die 1948 formulierten grundlegenden Rechte eines jeden Menschen umfassen neben politischen und liberalen auch soziale Rechte. Diese „Globalen Sozialen Rechte“ enthalten zwei wichtige Feststellungen:
- Gesundheit erwächst nicht nur aus ärztlicher Versorgung, sondern benötigt als Fundament gesunde Lebensbedingungen. - Jeder Mensch weltweit hat einen Anspruch auf solche gesunden Lebensbedingungen.
Daraus resultierende Handlungsstrategien sind mehr als Förderung gesunder Lebensweisen nur auf der Ebene individuellen Verhaltens. Ebenso wichtig ist die Veränderung von sozialen und ökonomischen Determinanten, die sich auf die Gesundheit des Einzelnen auswirken. „Primary Health Care“ und „Globale Soziale Rechte“ führen die Handlungsebenen zusammen.
Mit Rücksicht auf globale Zusammenhänge sieht GandHI als ersten Ansatzpunkt für Veränderungen die medizinische Ausbildung in Deutschland. Die Vermittlung eines umfassenden Gesundheitsbegriffs im Sinne des Konzepts „Gesundheit für Alle“ wurde schon 1984 von der WHO für die gesamte universitäre Lehre gefordert, ist aber bis heute nur mangelhaft umgesetzt. Weiterhin wird kaum Wissen über die komplexen Einflüsse sozialer Determinanten als Voraussetzung für Maßnahmen der Verhältnisprävention vermittelt. In einem politischen Umfeld, in dem „Gesundheit“ zunehmend mit „Gesundheitsversorgung“ gleichgesetzt wird, können Ärzte, ob im direkten Kontakt mit den Patienten oder als Gesundheitsadvokaten, einen wichtigen Beitrag zum Verständnis von Gesundheit als globales soziales Recht leisten.
Mit dieser Veranstaltung möchten die Globalisation and Health Initiative (GandHI), medico international und der Projektbereich „Internationale Gesundheitswissenschaften“ am Institut für Sozialmedizin der Berliner Charité die Prinzipien Chancengleichheit, Solidarität und Bürgerbeteiligung aktualisieren und damit einen Beitrag zum Diskurs um gesunde Lebenswelten und gesundheitliche Ungleichheit leisten.
Hierzu laden wir alle Interessierten aus Wissenschaft, Lehre, Zivilgesellschaft und Politik ein.
Zuletzt geändert am 18.11.2008 um 07:03:14
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Download der Präsentationen und Infos zur Uni-Tour 2008
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